Ansprache des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann zur Corona-Lage in Baden-Württemberg

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

eine zweite Corona-Welle rollt auf uns zu.

 

Die Zahl der Infizierten steigt wieder rasant.

 

  • In Baden-Württemberg gab es gestern und heute jeweils rund 600 Neuinfektionen.

 

  • Zum Vergleich: Im Sommer waren es weniger als 100 pro Tag.

 

Für die Gesundheitsämter wird es immer schwieriger, die Kontaktpersonen von Infizierten nachzuverfolgen und zu isolieren.

 

Mir bereitet diese Entwicklung sehr große Sorge.

 

Wir haben deshalb am Dienstag die zweite Pandemiestufe für Baden-Württemberg ausgerufen.

 

Damit sind noch keine weiteren Einschränkungen verbunden.

 

Allerdings werden die bestehenden Regeln engmaschiger kontrolliert.

 

Und wir rufen Sie alle auf: Seien Sie vorsichtig!

 

 

 

Dabei verstehe ich sehr gut: Nach mehr als einem halben Jahr mit Corona sind viele von uns pandemie-müde geworden.

 

Wir sehnen uns nach Normalität:

 

  • Sich endlich wieder unbeschwert mit Freunden treffen.

 

  • Entspannt ins Konzert gehen, ins Kino oder ins Fußballstadion.

 

  • Endlich wieder in den Urlaub fahren, ohne zu überlegen: Ist das jetzt ein Risiko-Gebiet.

 

Und ich sage Ihnen offen: Mir geht es ganz genauso.

 

Aber wir müssen auch klar sehen: Dieser Wunsch wird nicht so schnell Wirklichkeit. In den nächsten Monaten müssen wir weiterhin mit der Pandemie leben.

 

Im Frühjahr waren wir zu harten Maßnahmen gezwungen.

 

  • Schulen und Kitas mussten schließen.

 

  • Ebenso Geschäfte und Restaurants, Kultur- und Freizeiteinrichtungen.

 

  • Unsere Kontakte waren eingeschränkt.

 

Dieser Lockdown war nötig. Aber er hatte seinen Preis: Für viele Familien war es eine sehr schwierige Zeit. Viele Unternehmen sind in Existenznot geraten und viele Menschen fürchten um ihren Arbeitsplatz.

 

Deshalb tut meine Landesregierung alles dafür, einen zweiten Lockdown zu vermeiden.

 

Für mich hat es absolute Priorität, dass die Schulen und Kitas im Land offen bleiben. Kinder sind das Wertvollste, was wir haben – sie sollen nicht nochmal die Leidtragenden dieser Pandemie sein.

 

Die Menschen sollen ihrer Arbeit nachgehen können. Die Wirtschaft erholt sich langsam.

 

Es wäre fatal für uns alle, wenn wir diesen Aufschwung wieder abwürgen.

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

wir haben es selbst in der Hand, ob wir mit vergleichsweise milden Maßnahmen durch die nächsten Monate kommen.

 

Aber dafür braucht es jede und jeden von uns.

 

Deshalb bitte ich Sie:

 

  • Halten Sie sich weiterhin an die AHA-Regeln:

o Abstand halten,

 

o  Hygiene beachten,

 

o  Alltagsmaske tragen – auch auf belebten Plätzen und Straßen

 

  • Lüften Sie in geschlossenen Räumen – auch wenn es jetzt draußen kälter wird.

 

  • Nutzen Sie die Corona-Warn-App.

 

  • Und reduzieren Sie Ihre persönlichen Treffen.

 

  • Überlegen Sie es sich, ob die nächste Feier oder Party wirklich sein muss. Und meiden Sie große Gruppen oder Gedränge.

 

Freiheit gibt es nicht ohne Verantwortung.

 

Und das bedeutet, dass wir in der Pandemie auch mal etwas lassen sollten, obwohl es erlaubt ist.

 

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

wir alle wollen so wenige Einschränkungen wie möglich.

 

Wir wollen, dass die Schulen und Kitas offen bleiben.

 

Und wir wollen, dass die Wirtschaft weiter an Fahrt gewinnt.

 

Das schaffen wir aber nur dann, wenn wir Wichtiges von Wünschenswertem unterscheiden.

 

Wir stehen an einer Wegscheide.

 

Nun kommt es auf uns alle an – auf jede und jeden einzelnen.

 

Die Lage ist ernst. Aber im Frühjahr haben wir gesehen, was wir schaffen können, wenn wir zusammenhalten.

 

Lassen Sie uns nun auch die zweite Corona-Welle gemeinsam brechen!

 

Ihr Ministerpräsident

Winfried Kretschmann